Aufgeblättert

Martin Droschke | Kultur | aus FALTER 15/07 vom 11.04.2007

Sind die USA ein Volk der Dichter und Denker? Aus keinem Kulturraum werden so viele Bücher ins Deutsche übersetzt. Dabei sieht es so aus, als ob man jenseits des großen Teichs vor allem eine Gattung beherrschen würde: dicke Romane. Was aber macht die Lyrik? Gut zehn Jahre, nachdem zum letzten Mal ein Sammelband mit US-Gedichten der Gegenwart erschienen ist, gewährt die Anthologie "Schwerkraft" einen Einblick in eine unerschlossene Literaturlandschaft. "Hinten sammelt man / Patronenhülsen ein - wollt ihr da ernstlich // über Liebe sprechen?" Dieses Zitat der New Yorkerin Matthea Harvey steht stellvertretend für die politische Direktheit des von Ron Winkler zusammengestellten Bands. Der 11. September, die Bush-Politik, die Allgegenwart von Gewalt und das tägliche Bombardement der Medien, die ihren Schrott auf die Bevölkerung abwerfen, sind die verbindlichen Themen. Die 19, in den Sechziger-und Siebzigerjahren geborenen Autoren gehen nicht den in der europäischen Dichtkunst üblichen

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