Stadtrand

Halbhell

Stadtleben | aus FALTER 15/07 vom 11.04.2007

Na toll. Den ganzen Winter hindurch freuen wir uns darauf, dass es im Frühling länger hell bleibt und jetzt, wo's endlich so weit ist, wird's erst wieder eine Stunde früher dunkel. Zugegeben, wir hätten's nicht bemerkt, wenn man es uns nicht gesagt hätte. Aber jetzt, wo wir's wissen, fällt es uns natürlich auf: Des nächtens ist Wien, bisher eine der bestausgeleuchteten Städte der Welt, nicht mehr so hell wie früher. Seit Februar werden nämlich sämtliche Straßenlichter punkt 23 Uhr - und nicht wie früher um Mitternacht - auf halbe Kraft zurückgedreht. Die schlauen Stadtbeleuchtungsmenschen haben ihre Verdunklungspläne erst gar nicht angekündigt, deshalb hat sich auch niemand darüber aufgeregt. Bis fünf Uhr früh arbeiten die Lampen jetzt auf Sparflamme, die Hauptverkehrsstraßen sind davon ausgenommen. Wir halten die "Halbnachtschaltung" natürlich für eine gute Sache, wozu soll Wien auch leuchten, wenn der Großteil der Bewohner vor dem Fernseher sitzt oder an der Matratze horcht? Das Halbhell spart nicht nur Geld und Ressourcen, es trägt laut Psychologen auch wesentlich zur Reizminderung bei. Und gereizt sind wir eh so schon genug.

M. S.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige