Fragen Sie Frau Andrea

Slow Down

Stadtleben | aus FALTER 15/07 vom 11.04.2007

Liebe Frau Andrea,

was soll ich machen, ich bin verzweifelt. Alles geht zu schnell. An der Supermarktkasse, beim Bankomat, an der Ampel, im Bus. Wo auch immer ich bin - ständig habe ich das Schuldgefühl, zu langsam zu sein. Das ständige Hasten macht mich fertig! Was soll ich machen, wissen Sie Rat? Liebe Grüße aus Neubau,

Ines Zirbensäger

Liebe Ines,

wir sind beide nicht die Einzigen, die ins Joch der neoliberalen Eile gespannt wurden. Seit die Manchesterbanditen den Spruch "Time is Money" in die Matrizen unseres Daseins gestanzt haben, befinden wir uns in der Geschwindigkeitsspirale. Dem Hagelsturm des Hastens entkommen wir nur mit einem allerletzten Sprung in die Nebel der Langsamkeit. Wie das geht? Ganz einfach. Statt auf Tempo 45 singlemäßig abzuhotten und alle drei Minuten die Scheibe zu wechseln, müssen wir lernen, unser Leben auf 33 zu downgraden. Ein Leben in Longplay und Konzeptalbum sozusagen. Chill as chill can. Erstmaßnahmen zur Entschleunigung beginnen an der Supermarktkasse: Zählen sie zwischen den verschiedenen Produkten, die sie auf das Förderband legen, laut und langsam bis sieben. (Fortgeschrittene bis elf, 13 oder 17.) Antworten Sie auf Vorwürfe der Kunden hinter Ihnen, der Kassierin, des Filialleiters, des Konzernspeedbeauftragten, der Weltpolizei, das ginge auch schneller, auf Lateinisch oder Sanskrit - Fortgeschrittene können auch auf Finnisch, Sumerisch oder Paläoaltaisch kontern. Nächstes Mal: Entschleunigen von Ampelstarts und Autobahnfahrten.


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