hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 15/07 vom 11.04.2007

Es ist kurz vor acht!!!

Apokalyptische Gefahren mittels Ziffernblattmetaphorik zu beschwören war schon zu Udo Jürgens Zeiten ein alter Hut. Die britische Zeitschrift "Bulletin of Atomic Scientists" hat schon 1947 damit begonnen. In den Hochphasen des kalten Krieges lag der Zeiger bei drei vor zwölf, nach dem Abrüstungsabkommen von 1988 wurde er dann wieder auf sechs vor zwölf gedreht, worauf eine stetige Entspannung bis 1995 folgte. Seit Januar 2007 steht die Uhr wieder auf fünf vor zwölf. Der optimistische Grazer Schulstadtrat hat darauf mit einer Optimismusoffensive reagiert und Sticker für die Schultaschen der Grazer Kinder angefertigt, auf denen die beruhigende Botschaft "sieben vor sieben" leuchtet. Es scheint also noch etwas Zeit zu sein. Die tiefere Botschaft des Aufklebers: Täglich um sieben vor sieben sollen Eltern die Schultaschen ihrer Anvertrauten von unnötigem Ballast befreien, auf dass die Ranzen nicht zu gefährlichen Waffen werden, die bei jeder Drehung in der Straßenbahn Kopfstöße an die sitzende Bevölkerung verteilt. Die gesunde Kopfnuss in Richtung Kind ist ja aus gutem Grunde in der westlichen Welt verboten, sieht man von Neuseeland ab, wo sie aber auch nur noch bis Mai praktiziert werden darf. Tausende sind dort letzte Woche auf die Straßen gegangen, um dieses alte verbriefte Recht zu verteidigen. Ein Ohrfeigenlobbyist der Gruppe family integrity bringt es auf den Punkt: Wenn Zucht und Ordnung verloren gehen, haben wir alle verloren.


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