Spielplan

Kultur | Gregor Schenker | aus FALTER 16/07 vom 18.04.2007

Moral und Ideale auf ihre Tauglichkeit für die heutige Gesellschaft zu hinterfragen, hat sich Manfred Weissensteiner für seine Inszenierung von Schillers "Kabale und Liebe" vorgenommen, die als Koproduktion zwischen Theater am Ortweinplatz (TaO!) und Theater Mundwerk am TaO! gezeigt wird (bis 26.4.). Hehre Vorsätze, die es leider nicht bis auf die von Sabrina Liesl Raff in eine weiße Kachellandschaft verwandelte Bühne geschafft haben. Stark gestrafft und mit eigenen Textelementen angereichert, präsentiert sich das bürgerliche Trauerspiel in einer auf schülertauglich getrimmten Version. Für die acht tragenden Rollen stehen nur fünf Schauspieler zur Verfügung, wie das ja für die von finanziellen Nöten geplagte freie Szene nicht untypisch ist. Dass Nadja Brachvogel in Folge Präsident von Walter, Luises Mutter und Lady Milford geben muss, wäre aber auch bei extremer Verstellungskunst nur bei einem "Wir spielen Kabale und Liebe"-Konzept sinnvoll. In Folge werden die Szenen durch Gags angereichert. Lady Milford haucht "Sag mir, wo die Blumen sind" ins Mikrofon und ersucht das Publikum, auf ihr Spendenkonto einzuzahlen. Diese Einfälle laden zwar zum Schmunzeln ein, erwecken aber nicht den Eindruck, dass hier an den Oberflächen des schillernden Pathos gekratzt wurde. So oszilliert die Aufführung unentschlossen zwischen mit klassischen Gesten versehener Rollengestaltung und auf leger-modern getrimmten Einlagen, ohne je glaubhaft und packend menschliche Beziehungen auf ihre wertemäßige Grundlage und Beständigkeit zu hinterfragen. Auch auf jede politische Deutung des Textes, der Verschwendungssucht, Korruption, Unterdrückung und Soldatenhandel, also den Verkauf von Bauernkindern an ausländische Kriegsherren (in der Inszenierung ganz gestrichen), thematisiert, wird verzichtet. Wirklich zu bestechen vermag nur die von Robert Lepenik komponierte Musik, die stimmungsvoll verschiedene Register der Genrefilmmusik bedient.


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