Standpunkt

Wieso bezahlen?

Politik | aus FALTER 16/07 vom 18.04.2007

Die grüne Vizechefin Eva Glawischnig hat in der ORF-Sendung "Wie bitte?" Abtreibung auf Krankenschein gefordert und wurde dafür von den anderen Parteien medial geprügelt. "Staatlich subventioniertes Töten", schimpfen die Gegner. Natürlich wird bei einem Schwangerschaftsabbruch potenzielles Leben ausgelöscht. Aber wieso sollen Frauen dafür auch noch bezahlen? Wer Mutter wird, ist - wirtschaftlich gesehen - ohnehin ein Trottel. Das Risiko zu verarmen steigt pro Kind massiv an. Von den etwa 500.000 Frauen, die unter der Armutsgrenze leben, sind besonders viele Alleinerzieherinnen. Wer schwanger ist und abtreibt, leidet unter extremer psychischer Belastung und muss dafür bis zu 515 Euro hinblättern. Das kann sich die reiche Businessfrau leisten, für eine durchschnittliche Supermarktkassiererin mit 650 Euro brutto ist so ein Betrag aber ein Riesenproblem. Abtreibung auf Krankenschein würde finanzschwachen Frauen helfen, aber nicht zu mehr Abtreibungen führen. Niemand kriegt Kinder, weil der Schwangerschaftsabbruch zu teuer ist. Aber viele können sich Kinder kaum leisten. Eine Bestrafung durch teure Abtreibungen (wieso müssen die Männer eigentlich nicht mitzahlen?) bringt auch nicht mehr Babys. Was es dafür braucht, sind ausreichend finanzielle Unterstützung, leistbare Kinderbetreuung und bessere Chancen am Arbeitsmarkt für Mütter mit Kindern. N. H.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige