Kritik kurz

Kultur | aus FALTER 16/07 vom 18.04.2007

Der unbekannte Soldat Ruth Beckermanns Dokumentation "Jenseits des Krieges" (1996) über Reaktionen auf die Ausstellung zum deutschen Vernichtungskrieg im Osten stellte eine minimalistische Form des Umgangs mit soldatischer Schuld und Erinnerung dar; "maximalistisch" bearbeitet das Thema nun Michael Verhoeven in "Der unbekannte Soldat". War Beckermann auf Gespräche mit und unter Veteranen konzentriert, so frönt Verhoeven ("Mutters Courage") ausufernden Materialbögen aus Führungen durch und Nazidemos gegen die "Wehrmachtsausstellung", aus Interviews mit alten Kriegern, jungen Historikern, üblichen Verdächtigen aus Knopp'schem Geschichts-TV und einem rechts gesinnten Schulfreund des Regisseurs. Es werden Bildbeschriftungsfehler der ersten Ausstellung rekonstruiert, ukrainische Gedächtnisorte des Holocaust aufgesucht, NS-Propaganda und jiddisches Kino zitiert und Gräuelfotos mit Schockmusik unterlegt. Ein Film, der "viel bringt", worüber sich reden und denken lässt, ohne zu verdichten


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