Film

Die Würze des Lebens

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 16/07 vom 18.04.2007

Ein großartiger Film! Bauern aus Buti, einem Dorf am Fuß des Monte Pisano östlich von Pisa, sprechen die letzten Kapitel aus "Dialoghi con Leucò", einem 1947 erschienenen Dialogroman von Cesare Pavese. Buch wie Film haben die Ablösung einer Göttergeneration durch eine andere zum Inhalt. Den archaischen Titanen folgen Zeus und seine Olympier, die menschliche Züge tragen, aber die Sterblichen um den Tod beneiden, der jeden Augenblick einzigartig macht: Nur die Menschen vermögen die Würze des Lebens zu schmecken. Ganz anders sieht das Hesiod, der, mit einem alten Hut des Filmemachers Jean-Marie Straub auf dem Kopf, im Schatten eines Olivenbaumes ruht. "Lästig wie die Fliegen im Sommer", sagt der Dichter und einzige Sterbliche in den fünf Dialogen des Films, "dies ist das Leben."

"Quei loro incontri" ("Jene ihre Begegnungen"), das letzte Werk der im Herbst 2006 gestorbenen Danièle Huillet, ist gefilmt wie früher Griffith: jeder Schnitt von absoluter Notwendigkeit, jede Kamerabewegung ein Naturereignis. Selbes gilt für den Ton. Man hört das Plätschern eines Bachs, das Auffliegen einer Taube; ein, zwei Mal rauscht der Wind durch die Blätter der Bäume. Die letzte Einstellung, aufgenommen in den Niederungen der menschlichen Zivilisation, mutet an wie aus einem Ökothriller.

Ab 20.4. im Stadtkino (OmU).


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