Puppentheater

Sandkiste & Gaytown

Kultur | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 16/07 vom 18.04.2007

Es tanzen wieder die Puppen! Satirisch zur Sache geht es im Rabenhof, wo Maschek und der Praterkasperl dem amtierenden Kanzler mit "Beim Gusenbauer" wieder einen Handpuppenabend widmen. Einen ausgesprochen lustigen Abend, muss man sagen, denn im Kanzleramt der Sandkastenrepublik geht tüchtig was weiter: KHG im Vanity-Fair-Outfit mit offenem Hemd, Bürgermeister Häupl mit Alkoholproblemen, Exkanzler Schüssel intrigant hinterm blinden Spiegel oder Vizekanzler Molterer als buckelnder und tretender Machtmensch. Kreisky persönlich schaut vorbei, um die "Sozialisten" aus dem Schlamassel zu befreien - aber längst ist Gusenbauer die Nachwuchshoffnung der ÖVP. Sehr böse und sehr witzig von den Mascheks. Und sehr temporeich gespielt und inszeniert.

Gusi kommt bei "Krawutzi Kaputzi" nur ganz am Ende vor, im Kabarett Simpl fährt man mit reanimiertem Puppenpersonal aus Kindertagen eher die Retroschiene. Petzi und Co sind erwachsen und haben Erwachsenenprobleme. Petzi kifft, sein Großvater kifft, Helmi ist depressiv, Fips die Maus hat sein Coming-out: Das Simpl ist in Gaytown angekommen. Die Musicalsongs sind unzynisch kitschig. Das ist jetzt nicht besonders subversiv, aber macht bizarrerweise trotzdem Spaß.

"Beim Gusenbauer": bis 30.6. im Rabenhof; "Krawutzi Kaputzi": bis 23.9. im Kabarett Simpl.


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