Theater

Einmal Mythonos und zurück

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 16/07 vom 18.04.2007

Wer im Akademietheater "Das Haus des Richters" besuchen möchte, sollte vorher unbedingt den Mythos vom Minotauros nachlesen. Angeblich spielt das zweite Theaterstück des bulgarisch-österreichischen Autors Dimitré Dinev zwar in der Gegenwart. Tatsächlich aber ist es in einer Kunstwelt angesiedelt, die neue Geschichte will vor dem Hintergrund der alten gelesen werden. Aus dem Mythos vom König Minos, der sich von Daidalos und Ikaros ein Labyrinth für den wilden Stiermenschen Minotauros bauen lässt, wird die Geschichte eines machtbewussten "Richters", der bei einem sarkastischen Gastarbeiter, dem "Meister", eine Art goldenen Käfig für seinen missratenen Sohn in Auftrag gibt. Niklaus Helblings Inszenierung wirkt wie die Easy-Listening-Version eines Poptheaterabends; aus dem Ensemble ragen die zwei Könige heraus: Dietmar König bringt als frecher Theseus Stimmung in die Bude; Michael König, der schon länger keine große Rolle mehr spielte, hat als Richter ein schönes Comeback. Dinev schreibt kraftvoll-poetisch und mit trockenem Witz, auch die Theaterpranke ist erkennbar. Der ehrgeizige Versuch, einen Mythos in die Gegenwart zu transferieren, wirkt letztlich aber ähnlich konstruiert wie das Labyrinth des Meisters: Man findet leicht rein, aber schwer wieder raus.

Nächste Termine: am 18. und 21.4. sowie am 1., 15. und 17.5. im Akademietheater.


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