Phettbergs Predigtdienst

Die Grünen nun

Stadtleben | aus FALTER 16/07 vom 18.04.2007

Unser Thurnher und der Van der Bellen sind doch jetzt das, was der legendäre Otto Schulmeister seinerzeit im Medienzirkus war: die, die bei Fernsehdiskussionen bedacht die Fernsehdiskussionen mit ihrem langen Schweigen kritisch umfangen. Natürlich ersehne ich mir die Grünys so gänzlich unpolitisch und naiv, obwohl ich weiß, sie müssen in unserem schrecklich aufgeregten Landstrich reüssieren und ihre Fahne hochhalten, damit sie gewählt werden. Aber erträume ich mir eine naive Truppe, die überall dort, wo sich alle aufpudeln, sie sich abpudeln dann.

Meinereins betrachtet doch Politik wie Sport als lustvollen zweiten Beitrag zur Sexualität. Und wir dürfen nicht vergessen, dass zum Beispiel die Gruppen der Kabarettgängys genauso eine Gruppendynamik sind, wie zum Beispiel die Kronen-Zeitungs- und News-Lesys oder die Ö1-Hörys. Die genauso verdummen wie alle Gruppen, sie sind alle verdammt unerträglich obergescheit zu werden. Zum Beispiel kein Kabarettgängys grüßt mich je, obwohl mich alle kennen, bin ich, das Kronen-Zeitungs- und News-Porträtierte, eine Persona non grata. Es ist die Dialektik des Promiseins. Und obwohl mich alle vom Wegschauen kennen, bin ich als der, der sein Geschlechtsteil nackt im schlaffen wie im erregten Zustand öffentlich zeigte, ausgestoßen. Obwohl ich seit Jahr und Tag Jeanskerle anflehe, mich doch zumindest anzuspucken oder irgendwie zu züchtigen, tut niemand diese karitative Bettelei. Natürlich bin ich zu schiach und nun zu alt. Vor allem ein strategischer Trottel, und unglaublich undialektisch, bin ein Musterbeispiel an dialektischer Dummheit, eine didaktische Niete. Nie, niemand, je läutet bei meiner Gegensprechanlage oder verfügt telefonisch oder mailisch etwas. Also bleibt nur die Hoffnung auf ein Ehrengrab am Zentralfriedhof, denn es reicht nur für ein Armengrab. Mein Hoffen ist ein Ehrengrab. Jedwedes Hoffen ist ein Ehrengrab, klaro.

Also nun endlich zu den Grünys: Es ist im Wesentlichen alles gesagt. Weil wenn unverbildete Menschen nun Einlass verlangen, gibt es niemand mehr, der diesen Traum auch nur erfüllen könnte und überhaupt begehrte. Er ist in Vergessenheit geraten. Gott sei Dank gibt es Archive.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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