Die Grätzelkaiser

Wolfgang Paterno | Stadtleben | aus FALTER 16/07 vom 18.04.2007

ALLTAGSKULTUR Wo das Leben noch lebenswert ist: In seiner aktuellen Großausstellung begibt sich das Wien Museum auf die Spurensuche nach der Gasthauskultur.

Sie muss sein, die tägliche Überdosis Wirtshaus, und das ohne Wenn und Aber. Der Mann ist verrückt nach dem Leben im Lokal. Von Montag bis Freitag, 15 Stunden am Tag, steht Georg Haas, der Wirt, hinterm Tresen, samstags und sonntags ist er Gast, am Wochenende bricht die Entdeckerzeit für Fremdlokalitäten an. Georg Haas ist seit 18 Jahren Chef des Haas Beisls, wuchtige Stehschank, Kühlwand, Wandvertäfelung. Alte, ausgeschossene Fotos an der Wand, Posieren mit ernsten verschlossenen Gesichtern vor wechselnder Kulisse. Die Fotografien erzählen von gelebter, von untergegangener Gasthauskultur. 1899 sperrte in der Margaretenstraße die Gastwirtschaft zum Schilling des Heinrich Schredl auf. 1935 erstand Anton Karall, Haas' Großvater, den Betrieb; 1968 übernahm Karalls Tochter das Lokal, seit 1990 ist Georg Haas der Patron. Man kennt

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