hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 17/07 vom 25.04.2007

Ein paar grundsätzliche Dinge:

Nackt durch den Stadtpark zu laufen ist auch bei größter Hitze mehr als entbehrlich (unnötiger ist es nur, eine Gitarre dabeizuhaben, um Jungscharklassiker von Bob Dylan bis Bob Dylan zu trällern). Vom Klima her aber gibt es jedenfalls auch in unseren Breiten keine Notwendigkeit, seinen Körper zu bedecken - es ist allerdings erwiesen, dass dauerhaftes Unbekleidetsein einen höheren Energieaufwand nach sich zieht, da die Haut dauerhaft temperiert werden muss. Das große Vorbild des letzte Woche durch den Park Gerannten und dann spurlos hinterm Paulustor Verschwundenen dürfte der 60-jährige Bielefelder Ernst

Wilhelm Wittig sein, der sich als berühmtester Flitzer Deutschlands bezeichnen darf und erst vor knapp zwei Monaten einen Auftritt in der Universitätsmensa Osnabrück hinlegte, der ihn immerhin hinter Gitter brachte. Wegen Exhibitionismus und Erregung öffentlichen Ärgernisses können übrigens - zumindest in Deutschland - nur Männer verurteilt werden, was angesichts der Statistik sowieso niemand wundert: Frauen sind kaum beim Flitzen zu beobachten. Ziemlich oft allerdings mit dezenter Ledertasche und heller Jeansjacke, dann sind sie Kontrolleurinnen im Dienste der GVB. Die Ledertasche brauchen sie, um ihre elektronische Sofortkassa und ihre Dienstausweise gut getarnt zu verstauen. Bevor sie ihre Ausweise zücken, schauen sie bemüht verträumt aus dem Fenster und spitzen die rosa Lippen.


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