Film

Schneller, härter, lauter

Kultur | Gerhard Stöger | aus FALTER 17/07 vom 25.04.2007

Die ersten Bilder der Dokumentation "American Hardcore" gehören dem frisch angelobten Kalten Krieger Ronald Reagan. "Reagan stand im Kern für Ordnung", erinnert sich der Musiker Vic Bondi. "Unserer Meinung nach konnte er sich diese Ordnung aber in den Arsch schieben!" Womit die inhaltliche Grundlage dieser Frühachtziger-Subkultur bereits treffend erklärt wäre. Hardcore war die von Teenagern getragene US-Neuinterpretation des in England bereits zum Scherzartikel verkommenen Punk, eine energiegeladene Stimme für mehr oder weniger zielorientiert rebellierende Jugendliche. "Do it yourself" lautete das Credo der Bewegung, die begriffliche Nähe zum Pornofilm kam kaum von ungefähr: Auch der Hardcore-Punk verzichtete auf jegliches Vorspiel; "Schneller, härter, lauter, aggressiver" lautete die Devise der auf ein brachiales "Rein-Raus" reduzierten Musik. In ihrer teils packenden und hochinteressanten, teils aber auch etwas langatmigen und beliebigen Dokumentation lassen der Filmemacher Paul Rachman und der Journalist und Buchautor Steven Blush die Geschichte der Bewegung ausschließlich im Interview-Originalton Dutzender einstiger Aktivisten erzählen; historisches Livematerial illustriert die Erinnerungen. Auf Erklärungen oder pophistorische Einordnungen verzichten sie dabei gänzlich; ganz ohne Vorwissen dürften sich die Reize des Films und die Bedeutung der Hardcoreszene also kaum erschließen.

Ab 27.4. im Top-Kino (OmU).


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