Theater

Das Leben ruft, der Tod antwortet

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 17/07 vom 25.04.2007

Franz Xaver Kroetz ist ein beliebter Schauspieler, ein berühmter Dramatiker und ein begnadeter Interviewgeber. Als Regisseur ist er weniger bekannt, ebenso wie Arthur Schnitzlers selten gespieltes Drama "Der Ruf des Lebens", das Kroetz nun in der Josefstadt inszenierte. Das ziemlich krude Stück erzählt in drei Akten von drei jungen Frauen, deren Lebensgier bitter bestraft wird. Marie, die von ihrem kranken Vater tyrannisiert wird, weiß sich nicht anders zu helfen, als den Alten zu vergiften; Irene, die unglücklich mit einem viel älteren Mann verheiratet ist, will mit ihrem jungen Liebhaber fliehen und wird über den Haufen geschossen; Maries Cousine Katharina führt ein promiskuitives Lotterleben und bezahlt dafür mit der Schwindsucht. Vor mit grobem Pinsel bemalten Bühnenbildprospekten (Goetz Loepelmann) trägt auch Kroetz recht dick auf: Fast ununterbrochen dröhnt ein Strauß-Walzer über die Szene, die Schauspieler sind sehr typenhaft angelegt. Joachim Bißmeier ist ein Monster von einem Vater, Gerti Drassl ein Häuflein Elend von einer Tochter, Alexander Pschill ein Bild von einem feschen Leutnant. Nach fast drei Stunden ahnt man, warum das Stück seit Jahrzehnten nicht mehr gespielt wurde. Und warum Franz Xaver Kroetz als Regisseur nicht so berühmt ist.

Nächste Termine: am 26. und 30.4., am 4., 9., 11. und 14.5. im Theater in der Josefstadt.


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