Nüchtern betrachtet

Was ich tun könnte, hätt ich nichts zu tun

Kultur | aus FALTER 17/07 vom 25.04.2007

Mein Mathematikprofessor war ein Bub riesenhaften Ausmaßes und unbestimmten Alters. Er lebte bei seiner Mutter, trug sehr dicke Brillen und sah irgendwie der eigenen Handschrift ähnlich, die so riesige Schlaufen und Kringel aufwies, dass man sie auch als Rhönrad im Turnunterricht verwenden oder in Schmalz zu Supersize-Doughnuts für Fressweltmeisterschaften hätte herausbacken können - hätte man 1977 noch beziehungsweise schon gewusst, was ein Rhönrad oder ein Doughnut ist. Zu welchen Anteilen unser Mathe-Prof aus schierer Naivität und aus genereller Gutmütigkeit bestand, haben wir nie zweifelsfrei herausgefunden, besonders gut behandelt haben wir ihn - wie alle wehrlos Gutmütigen - nicht.

Ich erwähne ihn hier vor allem deswegen, weil er der einzige mir persönlich bekannte Trainspotter war; ein Zahlennerd, der in der U-Bahn-Station Reumannplatz, dem damaligen Epizentrum der Urbanität, seine Freizeit damit verbrachte, die Einsatzfrequenz von U-Bahn-Garnituren zu überprüfen -


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