Fragen Sie Frau Andrea

Der gute Lodsch

Stadtleben | aus FALTER 17/07 vom 25.04.2007

Liebe Frau Andrea,

glücklich umgeben von guten Lotschen habe ich eine dringende Frage: Warum heißt der "gute Lotsch" eigentlich "guter Lotsch"? Oder heißt der Latsch eigentlich Lódz und ist ein Pole? Wahlweise vielleicht auch ein Ruthene? Und weiters ergibt sich die Frage, ob es auch gute Lotschinnen (Lotschienen, Lódzinnen) gibt, oder ob "der" gute Lotsch auch die Damenwelt integriert! In der Hoffnung auf Aufklärung,

Ada Kollwitz, Schleifmühlien

Liebe Ada,

etymologische Autoritäten des Wienerischen wollen den "guten Lodsch" von den Latschen ableiten. Entweder von abgehatschten Schuhen, die bereits ins Bequemlichkeitsnirvana eingetreten sind, oder vom schleifenden Gang, den diese hervorrufen. Da bin ich bei aller Schuhliebe nicht dabei. Vielmehr meine ich, im Lodsch einen männlichen Vornamen zu sehen. Wie im Schani, dem Kellner. Genau lässt sich der Lodsch nicht lokalisieren, aber er scheint vom gutmütigen ungarischen Vornamen Lajos zu kommen. So magyarisch der Name und seine Derivate Laji und Lajcsi auch klingen, er ist die Übersetzung des französischen Louis, das wiederum vom germanischen Ludwig kommt. Ursprung des Namens ist das Silbenbündel hluth (berühmt) und wig (Kampf, Krieg). Der gute Lotsch war also ursprünglich ein berühmter Kämpfer. Der heilige Ludwig (1214-1270), großer König von Frankreich, war kampfeslustig und berühmt, aber weniger gut, weil böser Antisemit. Der beste Lodsch, den wir kennen, dürfte Lajos de Funès sein, der Hans Moser der französischen Spaßfilmkunst.


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