Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 18/07 vom 02.05.2007

Das Gesundheitswesen bleibt als Thema immer jung, jünger als die Menschen, mit denen es zu tun hat. Der Arzt und Publizist Werner Vogt eröffnete im April 1987 im Falter eine neue Kolumne, eine "Kleine Hundekunde. Beiträge zur Politzoologie Österreichs", wie er sie nannte, mit einer Attacke auf den sozialdemokratischen Gesundheitsstadtrat Alois Stacher.

"Das Gerede von der drohenden Pleite im Gesundheitswesen beeindruckt die politischen Verwalter desselben am meisten. Diagnose und Therapie müssen daher kostendeckend sein. Ob sie zielführend sind, also heilsam, bleibt Nebensache. Auch Betten verschwinden, Abteilungen werden geschlossen, um Spitalskosten zu senken. Dafür warten viele monatelang auf eine Operation, andere jahrelang aufs Altenbett. Auf der Buchhalterebene ist jeder Ausgesperrte ein Glücksfall.

Auch Stacher spart. Das neue Allgemeine Krankenhaus verschlingt jährlich mehrere Abteilungen. Die lange Bauzeit und der tiefe Schmiergeldfluss erzwingen das. Das Floridsdorfer Krankenhaus sperrt ab Mittag die Röntgenabteilung. Nachmittags und nachts werden alle Maroden und Verletzten über die Brücke gejagt. Wohin?

Vielleicht nach Döbling. Dort hat ein Nobelsanatorium seine Pforten geöffnet. Stinkreiche Ärzte behandeln stinkreiche Patienten. Pillen werden auf goldenen Tellern gereicht. Die Gemeinde Wien subventioniert das Geschäft mit der Krankheit mit 3,1 Millionen Schilling. Zwar hat der Nobelschuppen um keine Subvention angesucht. Das rote Wien und Herr Stacher haben dennoch für die Überweisung der milden Gabe gesorgt. Öffentliche Einrichtungen werden ruiniert, private Quetschen mitfinanziert. Der Teufel, sagt man in Tirol, der Teufel scheißt immer auf den großen Haufen. In Wien ist der Teufel ein Sozialdemokrat."


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