Jüdisches Museum Hohenems

Nicht nur Vergangenheit

Politik | aus FALTER 18/07 vom 02.05.2007

Die Juden von Hohenems hatten rechtzeitig das Weite gesucht. Noch vor der Machtübernahme der Nazis im Jahr 1938 war die Mehrheit der Gemeinde geflüchtet, acht Menschen wurden von Hitlers Schergen ermordet. Heute leben nur noch zwei Juden in Hohenems - und trotzdem besuchen Nachfahren immer wieder die 15.000-Einwohner-Stadt im Rheintal. Das hängt mit dem jüdischen Museum zusammen, einem - wie Direktor Hanno Loewy sagt - "positiven Anknüpfungspunkt" in einem Land, das für die Eltern und Großeltern der Besucher einst zum Albtraum wurde.

Nach 16 Jahren Existenz hat das Museum seinen Kern, die Dauerausstellung, nun rundum erneuert. "Die Fragen des Publikums sind heute ganz andere", meint Loewy. In der alten Schau sei es noch darum gegangen, die tabuisierte Geschichte der Juden endlich zu erzählen und ihre jahrhundertelange Existenz in Hohenems überhaupt zu beweisen. "Heute kommen neugierige Besucher, die jüdisches Leben nicht nur mit Vergangenheit asoziieren, sondern etwas über die Kultur, die Diaspora der Gegenwart erfahren wollen." Dank der Kontakte mit den von Amerika bis Australien verstreuten Nachkommen der jüdischen Familien ist das Museum auch nicht mehr ausschließlich auf nüchterne Akten aus dem Landesarchiv angewiesen. Vom Spazierstock des letzten Lehrers über persönliche Tagebücher bis zum Uhrwerk des Glockenturms der Synagoge (eine Rarität) kann die Ausstellung auf einen reichen Fundus von Gegenständen aus dem jüdischen Leben von Hohenems zurückgreifen. Obwohl der Fokus auf der lokalen Gemeinde liegt, bietet die seit Sonntag geöffnete Schau doch ein repräsentatives Bild jüdischer Geschichte.

G. J.


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