Standpunkt

Billigpädagogen

Politik | aus FALTER 19/07 vom 09.05.2007

E inhundertzweiunddreißig Vorschläge wurden gemacht, für welche gemeinnützigen Arbeiten Studierende ihre Studiengebühren refundiert bekommen sollen. Zwei davon will Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) umsetzen: So sollen künftig Studenten ihre Gebühren zurückbekommen, die Mentoring (also Nachhilfe) für förderbedürftige zehn bis 14-jährige Schüler leisten, sowie Studis, die als Tutoren Maturanten Einblick ins Studium gewähren. Wie verständlich ein Physikstudent einem Migrantenkind Deutsch erklären kann und wie viele Tipps ein Erstsemestriger zum Studium parat hat, ist aber fragwürdig - ebenso der umgerechnete Stundenlohn von mageren sechs Euro. Durch diesen Dumpinglohn werden gerade finanziell schwächere Studenten abgeschreckt, denen die Rückerstattung der Gebühren eigentlich helfen sollte. Hahns Vorschlag ist aber insbesondere ein Affront gegenüber Lehrern, die für die Förderung junger Menschen eigens ausgebildet wurden. Während sie jahrelang auf eine Anstellung warten müssen, sollen Laien an die Schulen geschickt werden. Natürlich ist es gut, wenn der Staat den Förderbedarf seiner Schüler erkennt. Dieses System verdeutlicht aber die Ungleichheit im Bildungswesen: Denn wer reiche Eltern hat, sichert sich mit teurer Nachhilfe gute Bildungsschancen. Wer kein Geld hat, wird bald von Billigpädagogen versorgt. I. B.


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