Theater

Eine Band namens Handke

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 19/07 vom 09.05.2007

Können Sie sich noch an Peter Handkes auf etwas geschwätzige Weise stummes Schauspiel "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" (1992) erinnern? Okay, und jetzt stellen Sie sich dasselbe mit Text vor, dann haben Sie eine ungefähre Vorstellung davon, wie sein neues Stück "Spuren der Verirrten" funktioniert. Wieder beschreibt Handke Passanten, die sich zu Paaren und Gruppen formieren und wieder verlieren. Wieder sucht er die Poesie im Banalen, das große Welttheater in den kleinen Dramen des Alltags. Wie immer, liegen große Literatur und großer Kitsch ganz nah beieinander - Handke ist auch in dieser Hinsicht ein mutiger Autor. Nach "Untertagblues" (2004) und "Die Unvernünftigen sterben aus" (2006) inszenierte Friederike Heller im Akademietheater nun zum dritten Mal ein Handkedrama, und auch diesmal ist ihr eine außergewöhnliche Aufführung gelungen. Das Stück ist im Grunde eine einzige lange Szenenbeschreibung, und statt alles, was da beschrieben wird, auf die Bühne zu übersetzen, lässt Heller ein kleines, extrem waches Ensemble (drei Damen, drei Herren) die Szenenbeschreibung sprechen. Und ganz ungezwungen entwickeln sich aus dem epischen Text kleine Szenen, zärtliche und auch wilde. Die schönsten Momente des Abends ergeben sich aus dem Zusammenspiel der Schauspieler mit der Hamburger Band Kante. Handke wäre eigentlich auch ein guter Bandname.

Nächste Termine: am 10., 16. und 28.5., am 8., 12., 19. und 21.6. im Akademietheater.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige