Phettbergs Predigtdienst

Kommissar Rehlein - unlösbar

Stadtleben | aus FALTER 19/07 vom 09.05.2007

Am 4. September 2003 schrieb ich der Menschheit, ohne dass natürlich irgendwer es las: Treatment für die neue Fernsehserie "Kommissar Rehlein - unlösbar". Und nun, wo eine neue Truppe die Herrschaft im ORF übernimmt, wage ich es, sogar hier zu publizieren:

Kommissar Rehlein sieht aus wie Hermes Phettberg. Er klebt sich immer bei Vernehmungen die ersten zehn bis zwanzig Minuten den Mund mit Leukoplast zu, damit er die Verdächtigen nicht durch Zwischenfragen aus ihrer Sicherheit bringt und sie daher in Ruhe sich hineinreiten können durch ihr Reden.

Rehlein ist niemals imstande, einen Fall zu lösen.

Alle Zuseherschaft vor den Fernsehgeräten aber kriegt alles mit und weiß längst, wer die Tat begangen hat (und wie).

Rehlein hat einmal im Lotto "6 aus 45" einen Solojackpot gewonnen und sich den gesamten Betrag in 10-Euro-Scheinen auszahlen lassen. Die stapelte er in sieben Stück zwei Meter dreißig hohe geschmiedete Stahlgestelle, die die Grundfläche genau eines 10-Euro-Scheines haben. Wie bei den Zigarettenvorrichtungen in den Tabaktrafiken werden sie durch Federn immer hinaufgefedert auf diese Höhe von zwei Meter dreißig, die Rehlein gerade noch erreicht, wenn er sich auf die Zehen stellt.

Rehlein wurde 1952 in Weitra, NÖ, als Erich Übl geboren und ist Sohn einer Hausfrau und eines Essigsieders. Er wurde zuerst Mesner im Stift Göttweig. Machte abituriell währenddessen dann die Matura mittels Fernkurses und studierte dann auch durch ein Fernstudium Jus.

Und immer, wenn er einen Akt schließt, sagt er die gleichen Worte: "Also DER Fall is echt net zu lösen." Mit Betonung auf das Wort "DER", als hätte er bisher sonst immer alle gelöst. Lustig vielleicht zudem: In dem leeren Fach der "gelösten Fälle" steht ein Glas Löskaffee.

Es bleibt immer die Ungewissheit über Rehlein schweben, ob er absichtlich so blöd ist oder nur so tut. Täglich sagt er dutzendmal: "Ich bin mir nicht gescheit genug."

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige