hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 19/07 vom 09.05.2007

Lend darf nicht London werden!

Es ist nicht viel geblieben, worauf man sich verlassen kann. Dass Freiheitliche nicht wissen, wie mit Anführungszeichen umzugehen ist, etwa. Oder dass die "Kleine Zeitung", wenn sie über Stadtplanung und Innenstadt-Atmosphären schreibt, immer falsch liegt. Den Andreas-Hofer-Platz findet sie katastrophal, dabei ist er nichts anderes als ein Juwel! Der spröde Highway-Raststätten-Charme in der Mitte spricht für sich und sperrte sich als einer von ganz wenigen Plätzen erfolgreich gegen gut gelaunt-idiotische Besetzung durch den steirischen Sportirgendwastag, der vergangenen Sonntag die Stadt zu einer Messe für Freizeitutensilien und Ergomedizin machte. Quert man die Mur, landet man im Gries, wo derzeit wandernde Rattenclans unterwegs sind, die Lebensmittel in kürzester Zeit wittern und abräumen, bis sie entweder nichts mehr finden oder tot sind, von einem Gift dahingerafft, das erst Tage nach dem Verzehr wirkt. Das ist bewusst so gewählt, ob der gemeinen Angewohnheit dieser Tiere, ihre Mahlzeiten erst mal von den Kindern und Alten des Clans testen zu lassen. Erst wenn es diesen bekommt, bedienen sich die Chefratten. Sind sie nicht auf Beutesuche, machen die Viecher sich einen Spaß daraus, Antikörper gegen Rattengifte zu entwickeln. Darin stehen die Wanderratten von Lend und Gries noch im Schatten ihrer Londoner Kollegen, die sich gegen so gut wie alle kursierenden Todessubstanzen immunisiert haben und kaum mehr zu bremsen sind.


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