Steirerbrauch

Stadtleben | aus FALTER 19/07 vom 09.05.2007

INVENTUR Manchmal, wenn dem Franz gar nichts zu tun eingfallen ist, hat er sich in die finstere Kaffeeküche gsetzt und ein Kerzerl anzündet. Hat erst die Haltbarmilchpackerln im Kühlschrank schön in eine Reihe gschlichtet, kleine Pyramiden aus Zuckerwürfeln baut, Bangles gsummt und dann die Löfferln auf Hochglanz poliert. Manchmal hat der Franz auch die Häferln für die Kolleginnen abgwaschen, ganz zart den Lippenstift von der Chefin abgwischt. Und darüber nachgedacht, was die Lippen gsagt haben, bevor sie das Häferl gstreichelt haben. Waren's böse? Waren's froh? Einsam? Durstig? Und war er, der Franz, dabei, wie's so waren? Und wie ist es ihm, dem Franz, dabei gangen? Hat er was davon gmerkt? Weiter hat der Franz oft nicht denken wollen, hat sich vor die kleine Kerze gsetzt und zugschaut, wie's brennt.


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