Was heißt hier Moral?


Armin Thurnher
Vorwort | aus FALTER 20/07 vom 16.05.2007

SEINESGLEICHEN GESCHIEHT Immer mehr Moral kann gefährlich sein. Aber auch produktiv. Ein neuer Blick auf alte Fragen.

Wertemäßig sind wir Zeitgenossen ganz schön strapaziert. Ununterbrochen werden von uns Entscheidungen verlangt, die man als moralisch bezeichnen könnte. Bequemerweise regeln wir viele davon über die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, was einiges an Denken erspart. Andererseits, wer hielte die Forderung aus, jede seiner Entscheidungen müsse er neu verhandeln und begründen? Das wäre doch zu anstrengend, deswegen schätzt man Glaubensgemeinschaften und deren Gebote.

Seit Jahren warnen führende Publizisten vor der Verlotterung, wahlweise der Verluderung der politischen Gebräuche und den Sitten von Politikern. Der Bundeskanzler griff vor kurzem das Wort auf und wandte es auf die Jahre der Regierung Schüssel an. Deren Exponenten wiederum quiekten auf und riefen in Richtung der Sozialdemokraten zurück: "Bawag, Bawag!" Wenn schon Verlotterung, dann sozialdemokratisch-karibisch!

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