Wo sind die Dissidenten?

Politik | Herwig Höller | aus FALTER 20/07 vom 16.05.2007

RUSSLAND Österreichs Politiker zieren sich, Putins Kritiker öffentlich zu empfangen. Dafür gibt es nicht nur diplomatische Gründe.

Genau genommen müssten österreichische Politiker nicht nur den autoritären russischen Präsidenten Wladimir Putin, sondern auch seine wichtigsten Kritiker empfangen. Doch es ist schwierig, den Überblick zu behalten und in Putins Russland seriöse Dissidenten mit politischem Einfluss zu finden. Denn auf den wenigen Oppositionsbänken wimmelt es von dubiosen und extremistischen Gestalten, die noch dazu vom Kreml eingeschüchtert und boykottiert werden.

Vielleicht sollte man, um dieses Dilemma zu illustrieren, auf Nina GulicÇeva blicken. 86 Jahre ist sie alt, kürzlich stand sie wieder auf dem Moskauer Puschkin-Platz und schrie sich die Seele aus dem Leib, um an das Schicksal der ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja zu erinnern. GulicÇeva wirkt trotz ihres Alters quicklebendig, im Rhythmus der Protestrufe hebt sie ihre geballte Faust. Schließlich


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