Festwochen-Tagebuch (1)

Lieben und sterben lassen

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 20/07 vom 16.05.2007

Während der Wiener Festwochen befindet sich der Theaterredakteur im Ausnahmezustand. Frau und Kind bekommen ihn selten zu Gesicht, die Kollegen in der Redaktion fast nie. Einziges Lebenszeichen sind die zwischen den Aufführungen flüchtig notierten Eintragungen in sein Festwochen-Tagebuch.

Mittwoch, 9. Mai: Liebes Tagebuch! Angenommen, in ein kleines Krankenhaus, in dem es nur einen OP gibt, werden gleichzeitig drei Unfallopfer eingeliefert: ein 20-jähriges Mädchen, ein 40-jähriger Familienvater und ein 60-jähriger Politiker. Wessen Leben soll gerettet werden? Solche Fragen werden in "Der moderne Tod" (nach einem Buch des schwedischen Autors Carl-Henning Wijkmark) verhandelt, und es sind spannende Fragen, weil sie eigentlich verboten sind. Drei Damen und drei Herren referieren über die systematische Tötung alter, kranker Menschen, ohne dass das Wort "Euthanasie" in den Mund genommen würde. Harter Stoff. Aber so, wie diese Inszenierung des Hamburger Schauspielhauses (Regie: Crescentia


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