Film

Die Wirklichkeit als Fälschung

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 20/07 vom 16.05.2007

Das Subversive ist, die herrschende Wirklichkeit und Wahrheit als Fälschung zu zeigen", erklärte Valie Export einmal in einem Interview. Mit der dominanten Realität meinte die Künstlerin, die nach ihrem Studium Ende der Sechzigerjahre als Script Girl, Cutterin und Filmkomparsin tätig war, stets auch die Bilder, mit denen sich Machtverhältnisse in der Gesellschaft repräsentieren. In ihrem Heimatland musste die feministische Künstlerin ungerechtfertigt lange auf Anerkennung warten; international nimmt sie heute in vielen Museen einen prominenten Platz ein. Im Rahmen der Wiener Festwochen zeigt das Österreichische Filmmuseum jetzt die erste umfassende Würdigung der filmischen Arbeiten Exports. Die von Sixpack-Geschäftsführerin Brigitta Burger-Utzer kuratierte Personale stellt zahlreiche Arbeiten der Künstlerin vor, die noch nie oder schon sehr lange nicht mehr im Kino zu sehen waren. So widmen sich etwa zwei Programme Exports Performancevideos ab 1966, deren Abschluss eine Performance von Elfriede Jelinek (1988) bildet, bei der die Schriftstellerin österreichische Nachrichten hört und kommentiert. Höhepunkt der Personale ist eine einmalige Liveaufführung am 30. Mai (19 Uhr), bei der Export ihre Expanded-Cinema-Arbeiten aus den Jahren 1967-1973 wiederholt. Gezeigt werden natürlich auch die Spielfilme "Die Praxis der Liebe", "Menschenfrauen" oder "Unsichtbare Gegner", für den Export 1978 von einer Jury den Staatspreis zugesprochen bekam - welcher ihr vom damaligen Unterrichtsminister Fred Sinowatz dann verweigert wurde.

Von 18. bis 31.5. im Österreichischen Filmmuseum.


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