Fragen Sie Frau Andrea

Stiefmuttertägliches

Stadtleben | aus FALTER 20/07 vom 16.05.2007

Liebe Frau Andrea,

angesichts des gerade vergangenen Muttertages werde ich immer verzweifelter! Meine Familie wurde nämlich durch eine neue Freundin meines Vaters ergänzt. Ab nun ergeben sich folgende Fragen: Gibt es einen eigenen Stiefmutter-Tag beziehungsweise Stief-Muttertag? Oder wird dazu einfach der Muttertag missbraucht? Und wie ist überhaupt der Begriff "Stiefmutter" definiert?

Mit verzweifelten Grüßen,

La Nuria, Internet

Liebe La Nuria,

die Silbe "Stief" kommt vom althochdeutschen "stiof" (beraubt, verwaist). Als Stiefmutter gilt traditionell die neue Ehefrau des eigenen Vaters. Der Muttertag, eine US-amerikanische Festidee zu Ehren der leiblichen Mutter, ist weltweit verbreitet, wird aber an verschiedenen Tagen begangen. In Österreich gilt die Frauenrechtlerin Marianne Hainisch als Initiatorin des Muttertages, der 1924, während der zweiten Amtszeit ihres Sohnes Michael Hainisch als Bundespräsident, für jeden zweiten Sonntag im Mai eingeführt wurde. Schon in Polen gehen die Kalender anders. Dort gilt der 26. Mai als Muttertag. Bisher gingen hier wie dort Stiefmütter, väterliche Geheimkonkubinen, Neufreundinnen und Lebensabschnittsgefährtinnen leer aus. Es sei denn, der häusliche Friede verlangt nach individueller Adaption der familienfestlichen Traditionen. Hier ist soziale Kreativität sicher kein falscher Richtstock. Der individuellen Einführung eines Stiefmuttertages sollte also so wenig entgegenstehen wie der Anbetung von Oster-Tapiren oder der Umbenennung des Valentin-Tages in Amstetten-Tag.


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