Presseschau

Medien | Gerald John | aus FALTER 21/07 vom 23.05.2007

Reflexionen im Spiegel: Das Nachrichtenmagazin widerlegt derzeit gerne Wahrheiten, die es selbst verbreitet hat. Anfang Mai prangerten die Hamburger Blattmacher etwa "die große Klima-Hysterie" an. Die drohende Überflutung von Metropolen wie New York sei eine "unausrottbare Legende" - wohl auch deshalb, weil der Spiegel diese These vor einem halben Jahr noch selbst ventiliert hatte. Rasant auch der Perspektivenwechsel bei der Nabelschau. Glich Deutschland im Spiegel des Spiegel lange einem vom Reformstau verstopften Jammertal, erblühen plötzlich die Landschaften - dazwischen liegen bloß ein paar Monate Wirtschaftswachstum. Mit kühnem Optimismus treibt der Schweizer Gastautor Roger de Weck den Deutschen die Schwarzmalerei aus. Neonazibanden schrumpfen da zu einer "widerlichen Marginalie", trotz immer noch fast vier Millionen Arbeitslosen konstatiert der Autor: "Das deutsche Volk (...) hat es nie so gut gehabt wie heute." Womit überrascht der Spiegel als nächstes? Vielleicht mit einem Rückzieher in der Islamisierungsdebatte: "Unsere Muslime - die besseren Deutschen."


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