Fernsehen

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 21/07 vom 23.05.2007

Gott bekommt einen Wurschtel an die Seite gestellt, weil Gott miese Quoten hat. Harald Schmidt, der brillanteste Fernsehzyniker ever, muss seine Show künftig mit Oliver Pocher, dieser primitiven Witzeschleuder, teilen, da jault der Feuilletonleser empört auf. Pocher, ein gelernter Versicherungskaufmann und Hardcore-Spaßvogel, ist dem naturüberheblichen Schmidt-Fan zu ungebildet, zu dumm. Bei der Bildung hapert's vielleicht, aber blöd ist Pocher sicher nicht. Selten sieht man im Fernsehen ein Lästermaul, das so schnell schaltet, so respektlos Gemeinheiten verteilt und dabei auch sich selbst mit drastischer Härte lächerlich macht. Pocher hat echten Mut zur Peinlichkeit und pfeift sich nichts um die üblichen Gesetze der Unterhaltungsbranche. Wer traut sich schon in einer harmlosen Sendung, ganz freundlich "Presswurst" zu einer tatsächlich aus einem hautengen Schlauch quellenden Mariah Carey zu sagen, während Thomas Gottschalk daneben von einer Ohnmacht in die nächste fällt? Schmidt, den großen, aber müden Helden, kann so ein Frechdachs vielleicht auch wieder aus dem hochbezahlten Wachkoma erwecken.


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