Buch der Stunde

Präzise Perfidie

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 21/07 vom 23.05.2007

Wie dieser Roman im Jahr 1984 einen der größten Literaturskandale der Zweiten Republik auslöste und schließlich gar beschlagnahmt wurde, kann man im siebzig Seiten umfangreichen Anhang zum jüngsten Band der von Martin Huber und Wendelin Schmidt-Dengler besorgten Werkausgabe bis ins Detail nachlesen, die auch noch jeden Justizhistoriker zufriedenstellen wird. Und natürlich wäre es unredlich, wollte man leugnen, dass der Reiz von "Holzfällen" mit den anrüchigen Aspekten des Schlüsselromans zusammenhängt, einem vollkommen verkommenen Genre, das zugleich bloßstellt und es dann aber - weil: Literatur! - nicht gewesen sein will. Andererseits gewinnt die durchdrehende Denunziationsrhetorik, die Thomas Bernhard hier von der Warte seines im Ohrensessel in der Gentzgasse bei den mittlerweile verhassten Auersbergers sitzenden Icherzählers aus entfesselt, natürlich an Griffigkeit, wenn man weiß, wer der Adressat der Invektiven ist.

Dass Bernhard hier einmal mehr "das Unangepasste im Konformisten"


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