Kabarett

Köpfe mit Nägeln

Kultur | Bettina Hagen | aus FALTER 21/07 vom 23.05.2007

Es gibt Menschen, die müssen auf einer Bühne stehen, um ihre Urgewalt entfalten, sie mit der Schärfe ihres Verstandes und der Zartheit ihrer Seele vereinigen und uns damit berühren zu können. Der Passauer Kabarettist Sigi Zimmerschied ist so einer. Sein aktuelles Programm "Hirnrisse" beginnt mit der Verwunderung des Kabarettisten über sein Publikum, mit dem ihn seit jeher eine Hassliebe verbindet. Liebe oder Hass - zu milderen Empfindungen ist Zimmerschied nicht fähig. Bis zur Pause ist die Welt erklärt. Zimmerschied teilt neuerdings sein Publikum, Bayern und die Menschheit nach dem Grad ihrer Vernagelung ein, frei nach dem jüngst kolportierten Fall eines Mannes, der sich zwölf Nägel in den Kopf jagte und unbeschadet weiterlebte. So spuckt, turnt, wütet Zimmerschied zunächst von der Bühne herab - einmal nur möchte er ein ganz normales Programm spielen -, um schließlich wie immer mitten in seiner Fangemeinde zu landen, wo er natürlich prompt wieder jemanden sympathisch findet. Skurrile Idyllen aus Bayern dürfen natürlich auch nicht fehlen. Etwa Geisteswissenschaftler, die sich in einem moralfreien Wirtschaftsliberalismus als Gartenzwerge verdingen. Oder Schafe, die Vornamen von Politikern tragen - und ihrem sensiblen Besitzer dadurch erst ermöglichen, sie zu schlachten.

Die für diese Woche geplanten Vorstellungen wurden wegen Erkrankung kurzfristig abgesagt. Nächste Termine: 18. und 19.9. Kulisse, 20. bis 22.9. Kabarett Niedermair.


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