Nüchtern betrachtet

Ich stehe nicht an, auch Wien zu preisen

Kultur | aus FALTER 21/07 vom 23.05.2007

Huach zua, du Erdäpflkopf. Dei ewiges Bealingetue geht ma schon urdentlich am …" "Exzellenz", unterbrach ich den zu erwartenden Redeschwall, "die Wunderschönheit Wiens raubt mir stets aufs Neue den Atem!" Worauf am anderen Ende der Leitung tatsächlich ein kurzes Schweigen zu vernehmen war, das ich sofort nutzte, um nachzulegen: "Wien ist wirklich anders. Die Natur liegt hier buchstäblich vor der Haustür." Das Schweigen wurde prolongiert. "Erst unlängst, an einem lichten Nachmittag, ging ich aus meinem hellen Haus, und stieg in der Oberen Augartenstraße in den 31er …" "Und?" "Nur zehn Stationen, und man ist am Hubertusdamm …" "Nein." "Doch!" "I man nein - neun - neu-ne. Neun Stadsiounen sans zum Hubertusdamm." "Genau, bloß neun - ein Wahnsinn normal, nicht wahr?!" "Erdäpflkopf, vaoschn kann i mi söba!" "Davon bin ich überzeugt, Exzellenz. Und noch viel besser als ich es je könnte, gebräche es mir an jenem Respekt, der mich indes heißt, es erst gar nicht zu versuchen!"


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