hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 22/07 vom 30.05.2007

Das Erbrochene

Gratis ist bekanntlich gar nichts, außer dem Tod und der Arbeit von Büropraktikanten und dem Spaß, eine Horde von Burschenschaftlern durch die Sporgasse ziehen zu sehen und förmlich riechen zu können, wie gern sie ihre lustigen Käppi absetzen würden, um ein bisschen weniger zu schwitzen und ein bisschen weniger wie Faschingsidioten auszusehen, aber nicht dürfen, der Disziplin wegen. Ein kleiner Jungfux hängt traurig am Rockzipfel eines alten Herrn, das Gesicht von der Nacht zuvor gezeichnet, sieht er kurz behoste und schulterbefreite Menschen, die ihr Schokoeis essen, und eine dicke Träne kullert über seine Backe. Das ist aber die einzige Körperflüssigkeit, die in dieser altehrwürdigen Tradition keine Rolle spielt. Man merkt das bei der Lektüre ihrer einschlägigen Literatur, etwa des denkwürdigen Romans "Unter Brüdern" des großen korporierten Vortragskünstlers und Romanciers T. Haidinger, zu dessen Lesung die schwitzende Farbenpracht sich gerade begibt. Das Erbrochene fühlte sich warm an, als es ihm über die Hände floss. Aus ignoranter Verzweiflung hielt sich Lukas an der Muschel fest, nicht bedenkend, dass der Strahl sich nicht direkt ins Zentrum des Klos ergießen, sondern auch dessen Ränder umschmeicheln würde. Neben dem Bluten, Schwitzen und Kotzen kommt selbstverständlich auch das Wichsen nicht zu kurz, und so wird der Jungfux spät nachts für die Hitzequalen entschädigt und es ist der Beginn eines wunderbaren Netzwerkes.


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