Standpunkt

Opfert das Opfer!

Politik | aus FALTER 22/07 vom 30.05.2007

Glauben Sie, dass ein Radfahrer in drei Wochen 3600 Kilometer in einem Höllentempo abspulen kann, ohne seinen Körper aufzuputschen? Eben. Deshalb greifen wohl viele Ausdauersportler zur Epo-Spritze oder anderen Dopingmitteln - oder sie landen keine Erfolge. Die österreichische Langlaufcrew war halt nur so blöd, sich gleich zweimal, bei Olympia 2002 und 2006, erwischen zu lassen. Vielleicht fühlt sich Skiverbandsboss Peter Schröcksnadel deshalb tatsächlich als jenes Bauernopfer aus dem ohnmächtigen, kleinen Landl, als das er sich stilisiert. Doch so richtig zieht die Opferthese diesmal nicht, da mögen noch so große Massen den einst wegen unerlaubter Werbung von Olympia ausgeschlossenen Skistar Karl Schranz als Märtyrer gefeiert haben. Selbst die Krone, Seismograf für patriotische Wallungen, kommentiert angesichts im ÖSV-Quartier gefundener Spritzen und Blutbeutel, die nun zu einer Geldstrafe von einer Million Dollar führten: "Das nimmt uns keiner ab." Zumal Dopingjäger längst auch Sportlern großer Nationen, wie dem US-Radstar Floyd Landis oder seinen Branchenkollegen vom deutschen Telekomteam, auf den Zahn fühlen. An den Pranger hat sich Schröcksnadel schon selbst gestellt, indem er statt auf Aufklärung auf eine fatale Strategie gesetzt hat: abstreiten, abwiegeln, abputzen. Nun steht, alte Meriten hin oder her, der nächste Schritt an: der Abgang. G. J.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige