Kunst am Bau

Nichts passiert

Kultur | aus FALTER 22/07 vom 30.05.2007

Mit Wasser spritzende Kinder; Hunderte abgestellter Fahrräder; Verkehrspolizisten; ein Dutzend mobiler Klos; Verkäufer von Obdachlosenzeitungen und Tausende Menschen mit gezückter Kamera: Vieles deutete am Donnerstag vergangener Woche darauf hin, dass auf dem Campus der Universität für Musik und darstellende Kunst ein Popkonzert oder etwas ähnlich Großartiges stattfinden würde. Dabei war es nur das Kunst-am-Bau-Projekt "Film ab!" des Künstlerduos Nicole Six und Paul Petritsch, die dieses ungewöhnliche Vorhaben im Auftrag der Bundes Immobilien Gesellschaft realisierten. Der Nachmittag ist monatelang vorbereitet worden. Eine Castingagentur mobilisierte 5000 Statisten, die 15 Euro dafür erhielten, dass sie zwei Stunden auf dem Platz ausharrten. Mit einer an den Film "Metropolis" von Fritz Lang angelehnten Massenszene sollte der genius loci der neuen Uni-Filmstudios beschworen werden. Die Künstler blieben ihrem Konzept, keine sichtbaren, sondern nur mentale Spuren hinterlassen zu wollen, auch insofern treu, als sie die Aktion nicht dokumentierten. Sie reagierten auf die Erfahrung, dass die für die Ewigkeit gebauten Denkmäler unter der Wahrnehmungsschwelle der Stadtbewohner liegen. Mit dieser bewusst populistischen, in ihrer Flüchtigkeit aber auch sehr verqueren Aktion schufen Six und Petritsch das seit langem beste Kunstwerk im öffentlichen Raum. Nichts passierte und alle waren happy. MATTHIAS DUSINI


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