Phettbergs Predigtdienst

Besachwaltet

Stadtleben | aus FALTER 22/07 vom 30.05.2007

Jetzt werde ich besachwaltet, und bin zum ersten Mal in meinem Leben zufrieden und glücklich! Und das kam so: 1952 kam ich im Haus meines Halbbruders zur Welt, dessen Vater im Zuge dieses deutsch-österreichischen Angriffskrieges umkam. Er fiel als Eingezogener 1941 in Russland. Seit meiner Geburt 1952 friste ich mein Leben und bin selbstreferenziell und Gott sei Dank elend, ein Schwächling und grundsätzlich schüchtern. Denn du kannst nur elend leben, wenn du ein "Mensch" bleiben willst. Sonst gerätst du in den inhumanen Sog.

Nach "Phettbergs Nette Leit Show" 1995/96, die mich erstmals ins "wirkliche Leben" einließ, aber dank der höllischen Funkstation ORF, die genauso wie alle völlig ellbogenstark sein muss, wurde ich nach neun Monaten Gewähr hinausgeschmissen, wo Heulen und Zähneknirschen herrschen. Die Steuergesetzgebung kam noch dazu. Ich, der ich bis zum Start dieser Fernsehshow nie 10.000 Schilling verdiente. Aber natürlich, während dieser neun Monate kassierte ich insgesamt 1,5 Millionen Schilling. Und ich zahlte die Steuern nicht, und dann wurde mein ererbtes Elternhaus von der Steuerbehörde mit der Exekution bedroht, und ich musste es zwangartig verkaufen und habe nun nichts.

2003/04 kam dann die lachhafte Privatfernsehquätschen ATV, die eine riesige PR mit meiner Persönlichkeit trieb, ich kam wieder in diesen süchtigen Taumel, den ich schon beim ORF vergeblich studierte, und nach nur neun Fernsehshows "Beichtphater Phettberg" verdiente ich auch sehr gut, aber nach nur neun Wochen schmissen sie mich, ohne auch nur ein Wort mit mir darüber zu reden, ansatzlos wieder weg. Das Elend muss immer neun sein!

Diese Kolumne lässt mich der herzensgute Falter aber schon lange vorher - seit Mitte März 1992 - allwöchentlich, ohne auch nur je ein Wort Zensur erfahren zu lassen, völlig narrenfrei schreiben. Außer jetzt, nach den beiden Schlaganfällen, hatte ich nie einen Ausfall! Kurt Palm und Armin Thurnher sind die einzigen zwei Menschen, die je etwas anzufangen wussten mit mir! Der Aftertreppenwitz ist, dass ich der GIS bis heute eine Unsumme schulde.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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