Gratismedien

Teure Schlacht

Politik | aus FALTER 23/07 vom 06.06.2007

Seit einem Jahr prügeln sich nun zwei Gratiszeitungen um die Grazer Straßenbahnfahrgäste: Am 22. Mai 2006 erschien erstmals ok aus dem Hause Styria, und kam damit der Wiener U-Bahn-Zeitung Heute von Eva Dichand zuvor, die im Juni in die Steiermark expandierte. Im September 2006 ging ok außerdem nach Kärnten. Nun verdichten sich die Hinweise, dass beide Zeitungen schon bald wieder auf das Abstellgleis geraten könnten. Gut informierte Kreise meinen, es habe eine Abmachung zwischen Eva Dichand und Horst Pirker (Styria) gegeben, beide Grazer Gratisblätter noch vor dem Sommer wieder einzustellen. Bereits vergangenen März fand Eva Dichand bei einer Tagung zum Thema Gratismedien an der FH Joanneum klare Worte: "Weder Heute noch die ok-Zeitung in der Steiermark laufen gut. Gratismedien bringen nur in Ballungszentren ein großes Geschäft. Ohne die Werbeeinschaltungen, die wir in Wien generieren, würde sich die Graz-Ausgabe nicht rentieren." Aktuell war Dichand für ein Statement nicht erreichbar.

Styria-Chef Horst Pirker erklärte, er habe sich öfter mit Frau Dichand getroffen, es gebe aber keine Übereinkunft: "ok wird es so lange geben, wie es die Marktverhältnisse einerseits zulassen und andererseits verlangen." Im Jahr 2006 kostete ok der Styria - rechnet man die Steiermark- und die Kärntenausgabe zusammen - rund vier Millionen Euro, so Pirker. Das Projekt sei zwar nicht rentabel, erfülle aber seine Aufgabe in der Sicherung des "Heimatmarktes". In der Redaktion von Heute gibt man sich ebenfalls optimistisch und schimpft auf den Gegner: "ok hat den Inseratenmarkt kaputtgemacht, die sind mit ihren Preisen fünfmal billiger als wir", erklärt Chefredakteur Volker Liebmann. "Wir sind die Lebensversicherung für ok, denn die sind nur auf dem Markt, um uns kaputtzumachen."


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