Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 23/07 vom 06.06.2007

Sex

Sex ohne Walross Auf dem Flug in den Urlaub plante ein Paar, auf der Bordtoilette sexuell zu werden. So warteten sie also in ihren Sitzen auf die passende Gelegenheit, die Frau auf A, ihr Freund auf B. Auf C wuchtete ein Herr, gegen den der Bulle von Tölz wie ein Firmling angemutet hätte. Kichernd und tuschelnd zögerten die beiden die Aktion hinaus: erst nach dem Essen, nein, erst wenn der Film anfängt, vorher noch ein Schnaps! Dazwischen zwinkerte ihnen das Walross auf C aufmunternd zu. Dann fasste man sich ein Herz - und versuchte sich zu erheben. Doch was war das? Herr C und seine 140 Kilo schliefen. Das Paar rüttelte ihn. Vergeblich.Verzweifelt sah es seine schöne Fantasie flöten gehen. "Hallo! Wir müssen wirklich mal raus!" Da erhob sich eine Stimme, mächtig und echt laut: "Ich wach dann auf, wann I vurher die Unterhosn von da Frau kriag. Donn woch I auf." Man blieb sitzen, trank weitere Schnäpse und versuchte dabei, die restlichen Flugstunden die feixenden und johlenden Reihen vor und hinter sich zu ignorieren.

Heidi List

Fussball

Die Kirche in Hütteldorf Natürlich ist es jenseits, wenn man nur auf ein Match geht, um einen bestimmten Spieler fertig zu machen. Aber Fußballfans sind generell ein merkwürdiges Völkchen, das nicht immer leicht zu verstehen ist. Und die Ultras von Rapid sind nicht nur Österreichs größte, sondern auch sensibelste Fangemeinde. Wenn sie das Gefühl haben, betrogen zu werden, dann ist Schluss mit lustig. Genauso überzogen wie die verspätete Rache-Aktion der Ultras waren dann allerdings auch die Reaktionen von Funktionären und Medien. Weil ein paar Rüpel garstige Sachen sagen, muss die Nation nicht gleich Trauer tragen. Und wenn der Teamkapitän als "Judasschitz" bezeichnet wird, ist das noch lange nicht antisemitisch. Ich schlage vor, wir lassen die Kirche im Dorf. Besser gesagt: St. Hanappi in Hütteldorf.

Wolfgang Kralicek


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