Stadtrand

Russen raus!

Stadtleben | aus FALTER 23/07 vom 06.06.2007

Am Donnerstagvormittag konnte man auf einem Bauzaun am feinen Kohlmarkt lesen "Russen raus". In riesigen Spraydosenbuchstaben standen dort die zwei Worte neben Belanglosigkeiten aus dem Eddingstift eines Zetteldichters. Am Freitag war die Welt wieder in Ordnung. Den Bauzaun hatte man mit hellgrauer Farbe übertüncht, die gemeine Aufforderung zurückgenommen. Schauen Sie doch mal, wie lange es sonst und an weniger feinen Adressen dauert, bis Sprüche wie "Neger raus" oder "Ausländer raus" übermalt werden. Eh, natürlich, am Kohlmarkt, wo russische Oligarchen und deren Ehefrauen täglich einen Haufen Geld ausgeben, hat so ein Graffito Brisanz. Doch wahrscheinlich hätte man dort Slogans wie "Weisheitszähne raus" oder "Blinddärme raus" ebenso schnell getilgt - man will ja sauber bleiben. Vielleicht sollten die Leute vom Kohlmarkt aber trotzdem andernorts mit ihrem Know-how gegen ausländerfeindliche Sprüche aushelfen. An einer Hauswand in der Vorstadt kann man übrigens die folgenden bizarren Worte lesen: "Asheluk Ostarik". Dort hat seltsamerweise auch noch niemand zum Farbkübel gegriffen. C. W.


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