Fragen Sie Frau Andrea

In der Fettn

Stadtleben | aus FALTER 23/07 vom 06.06.2007

Liebe Frau Andrea,

ich würde gerne von Ihnen die Bedingtheiten des Ausdrucks "fett wie" erklärt bekommen. Fett wie ein Radierer, fett wie ein Häuseltschick. Was meinen diese Ausdrücke, woher kommen diese Redewendungen, wohin könnten sie sich möglicherweise entwickeln? Gibt es Gegenteile im Sprachgebrauch, wie: mager wie ein Bleistift, mager wie ein "Gegenteil von einem Häuseltschick"? Vielleicht wissen Sie da was ...

Wilhelm Missauer

Lieber Wilhelm,

das Wort "fett" kommt gar nicht aus unseren Breiten. Es ist mit der Lutherbibel aus dem Norddeutschen eingewandert und heißt im Süden des deutschen Sprachraums heute noch "feist". Küchenfett heißt in Wien "Schmoids" (Schmalz). Weil die Radiergummis (Radetzkys) früherer Zeiten weich und fetthältig waren, hat sich der Ausdruck "fett wie ein Radierer" etabliert. Warum der fette Radierer mit dem Ausdruck schweren Betrunkenseins assoziiert wird, hat ganz andere Gründe. "Fett", also betrunken, kommt vom französischen "effet", dem Effet der Billardspieler. Damit wird jene Eigenrotation bezeichnet, die angespielte Kugeln, je nach Spin, in Bögen kürzer oder länger laufen lässt. Von diesem "Fettn" genannten Taumeln der Kugeln zum Taumeln der Alkoholisierten sind es nur ein paar Krügel Bier. Der Häuseltschick, der sich im Pissoir liegend "angesoffen" hat, ist ein weiteres Kaskädchen in der Bedeutungswandlung des "Effets", des Effekts. Gegenteile von "fett" sind mir nicht bekannt. Eventuell wollte man "niachtan wira Blei" sagen.


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