Der Herr des Schubs

Nur wenige Häftlinge toben. Die meisten richten ihre Verzweiflung gegen sich selbst - sie hungern, schlitzen sich die Haut auf, essen Scherben. Der psychiatrische Dienst wird oft frequentiert. "Auffällig ist seit Inkrafttreten des Asyl- und Fremdengesetzes im Jänner 2006 eine massive Zunahme von schwer traumatisierten Menschen in der Schubhaft", sagt der Psychiater Walter North vom Verein Dialog, der Schubhäftlinge psychologisch betreut. Immer wieder trifft er auf Menschen, die lange und legal in Österreich leben, sich eine Existenz aufgebaut und vielleicht eine Familie gegründet haben und dann trotzdem abgeschoben werden. Etwa wenn sie ihre Arbeit und ihr Einkommen verloren haben oder kriminell wurden und ihr Visum verlieren. Eine Lösung sieht der Kommandant aber vor allem in der freiwilligen Heimkehr: "Wenn der Betroffene einsieht, dass er auch mit fünf Hungerstreiks seine Situation nicht ändern kann, kann er zumindest erhobenen Hauptes wie ein Tourist nach Hause kommen." Auch so manchem Schubhaftpolizisten scheinen die Zustände in der Schubhaft nicht ganz recht, vermutet auch Psychiater North: "Es sind erstaunlicherweise oft Beamte, die uns sagen, dieser Mensch hat in der Haft eigentlich nichts verloren." Auch wenn die weißen Wände mit Streifen in Regenbogenfarben verziert sind. Q

Politik | Nina Horaczek | aus FALTER 24/07 vom 13.06.2007

ASYL Geschluckte Rasierklingen, Hungerstreiks, Selbstmorde: Die Schubhaft ist unmenschlich, sagen Menschenrechtsorganisationen. Sie fordern ein Ende des Einsperrens von Asylwerbern. Was aber denkt der Kommandant Josef Zinsberger?

Ein Drama", sagt Caritas-Chef Franz Küberl. Eine "widerwärtige, menschenverachtende und grausliche Politik", ergänzt Österreichs Amnesty-International-Generalsekretär Heinz Patzelt. Vergangenen Montag versammelten sich die Vertreter von Menschenrechts- und Flüchtlingshilfsorganisationen und forderten wieder einmal ein Ende der Schubhaft für Asylwerber. Diese sei "menschenrechtlich unerträglich". Denn "Flucht ist kein Verbrechen", meint auch Michael Chalupka, Direktor der Diakonie.

Von all dem unbeeindruckt, ist Kommandant Josef Zinsberger wieder einmal von Stockerau nach Wien gependelt. Nun versieht er in seiner blauen Uniform auf der Roßauer Lände seinen Dienst. Der Gürtel mit der Schusswaffe liegt im Spind, denn im "Gesperre", dort, wo die Häftlinge


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