Kommentar

Staatsoper: Der Jubel kann warten

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 24/07 vom 13.06.2007

Einerseits ist es ja noch einmal gutgegangen: Neil Shicoff wird nicht Staatsoperndirektor, und seine zickige Reaktion ("Intrige!") gibt im Nachhinein all jenen Recht, die dem Sänger und Kanzlerintimus nicht zugetraut hatten, auf diesem Posten zu bestehen. Ebenso übrigens, wie das verschnupft knappe Statement des Bundeskanzlers ("eine interessante Wahl") post festum den Verdacht der versuchten Freunderlwirtschaft erhärtet (siehe auch Seite 62).

Andererseits: Gott behüt vor allem, was noch ein Glück ist! Muss man die Bestellung von Franz Welser-Möst und Dominique Meyer nun wirklich so begeistert aufnehmen, wie manche es tun? Und ist Kulturministerin Claudia Schmied tatsächlich die große Siegerin der Direktorenfindungsposse? Letzteres ist schnell beantwortet: Nein - denn dass sie als Verantwortliche dem ungehörigen Drängen ihres in dieser Sache unzuständigen Chefs widerstand, ist eigentlich eine demokratische Selbstverständlichkeit, die unsere Achtung, aber noch keinen Jubel verdient.


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