Buch der Stunde

Satirischer Ernst

Kultur | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 24/07 vom 13.06.2007

Es ist etwas Eigenes um Konferenzen! Eine Negerkonferenz tritt zusammen, und schon sind die Neger genau so blöd wie die Weißen." Sprach nicht etwa Gerhard Polt, sondern Herbert Müller-Guttenbrunn (1887-1945), ein Zeitgenosse von Karl Kraus und Außenseiter des österreichischen Literatur- und Geisteslebens, dessen Schärfe und Witz sich anhand des von Beatrix Müller-Kampel herausgegebenen "Alphabet des anarchistischen Amateurs" neu entdecken lassen. Und gleich noch einer (aus dem Jahre 1928!): "Was haben wir vom Fernsehen, wenn es uns mit dem Anblick von Arschgesichtern aus Amerika versorgt, wo unser Bedarf an solchen doch vom Inlande reichlich gedeckt wird?"

Der grimmige Satiriker, Sprachkritiker, Individualist, vegetarische Selbstversorger und Herausgeber der Zeitschrift Nebelhorn war freilich auch zu Lebzeiten kaum bekannt, wobei vielleicht auch sein Name einer breiteren Rezeption seines Werkes im Wege stand: Vater Adam Müller-Guttenbrunn war ein antisemitisch-deutschnationaler Erfolgsschriftsteller.


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