Theater

Shakespeares gesammelte Werke

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 24/07 vom 13.06.2007

Als sechste Folge im Shakespeare-Zyklus des Burgtheaters inszenierte Barbara Frey das schwierige letzte Stück des Autors, die bittere Komödie "Der Sturm". Bei Frey heißt das Stück nur "Sturm", und auch vom Personal sind nur Rudimente übriggeblieben: Drei Schauspieler sind genug. Johann Adam Oest spielt den auf eine Insel verbannten Herzog und Zauberer Prospero, Maria Happel (Caliban) und Joachim Meyerhoff (Ariel) sind seine dienstbaren Geister. Die Szene ist ein großer Tisch, an dem Prospero, der wie Gott oder der Autor in großen Büchern blättert und das Stück erzählt beziehungsweise die Welt erschafft. Die Idee, die man so ähnlich aus Peter Greenaways Film "Prospero's Books" kennt, ist nicht schlecht: Auf diese Weise erspart sich die Inszenierung den ganzen Hokuspokus des Stücks, der ohnedies immer etwas albern wirkt. Aber Frey zieht das Konzept nicht konsequent durch: Happel und Meyerhoff müssen zum Beispiel das Liebespaar Miranda und Ferdinand markieren, und auch die gefürchtete "Rüpelszene" mit den betrunkenen Seeleuten Trinculo und Stephano bleibt uns nicht erspart. Schön wär's gewesen, wenn der wunderbar traurige Oest ganz allein den "Sturm" gespielt hätte. So ist's dann doch nur eine Folge aus "Shakespeares gesammelte Werke (leicht gekürzt)" geworden.

Nächste Termine: am 14., 25. und 29.6. im Akademietheater.


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