Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 24/07 vom 13.06.2007

Sex

Der Umfall Unerwartet erlebte K. gestern zum ersten Mal einen Orgasmus durch einen Mann. Aber: Der Gute befindet sich Lichtjahre außerhalb ihrer mühsam seit Jahren zusammentherapierten Ehe mit einem ganz anderen Mann. Was war plötzlich so kicky? "Er woa ma wuascht. Wos a gmocht hot, woa ma a wuascht. Und wia i dreinschau, woa ma sowieso wuascht." Sie sei, glaube sie, eine katholische Xenosexuelle. Ich verstand. Echte Sinnlichkeit nur in ungesegnetem Terrain. Treuherzig erkundigte ich mich, ob ich als Freundin nun eine saumäßige Trennungsschlammschlacht mitaufzuräumen haben werde. Sie winkte ab, sie sei ja eben immerhin katholisch. Die krampfige Erziehung gereichte ihr nun zum Vorteil: "I spul meine 300 Gegrüßet-seist-du ab, und nix is gschegn." Auf meine Frage, ob ihr persönliches schlechtes Gewissen so etwas Komplexes wie eine Absolution kapiere, meinte sie: "Jo. Mei Gewissen is so bled wie der von gestern." Sie hat das Fest halt gefeiert, als sie gefallen ist. Amen, finde ich.

Heidi List

Fussball

Ade, Lindenstadion! Als Franz Schubert sein Lied "Der Lindenbaum" komponierte, dachte er nicht an das Lindenstadion. Der melancholische Sound passt trotzdem zu einer traurigen Nachricht: Das schöne Stadion in Eisenstadt wurde behördlich gesperrt. Die baufällige Anlage liegt mitten im Park von Schloss Esterházy, eine große Linde steht zwar nicht am Brunnen vor dem Tore, aber immerhin hinter einem der Tore. Der SC Eisenstadt, wirtschaftlich und sportlich in ähnlich marodem Zustand wie sein Stadion, trägt seine Heimspiele künftig im Sonnenseestadion von Ritzing aus; die Regionalligapartie gegen Waidhofen/ Ybbs am 19. Mai war wohl das letzte Match unter der Linde. "Ich träumt' in seinem Schatten so manchen süßen Traum", heißt es im Lied. Ade, Lindenstadion! Ich sah auf deiner Tribüne so manches schöne Spiel.

Wolfgang Kralicek


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