Fragen Sie Frau Andrea

Die Trafik

Stadtleben | aus FALTER 24/07 vom 13.06.2007

Liebe Frau Andrea,

gerade hatte ich Besuch aus dem Ausland, und Besuch aus dem Ausland stellt immer so unbequeme Fragen. Zum Beispiel konnte ich nicht erklären, wieso man in Wien zum Zeitungs- und Zigarettenladen "Traffik" sagt. Kommt das von Traffic, Verkehr? Aber wieso?

Ihr Herr Bertram, Ottakring

Lieber Herr Bertram,

gerne gebe ich Ihnen bequeme Antworten für Ihren nächsten Besuch aus dem Ausland. Obschon man in Österreich zur Verkaufsstelle von Tabakwaren und Zeitungen "Traffik" sagt, schreibt sich der Laden eineffig Trafik. Offiziell heißen die kleinen Geschäfte Tabaktrafik. Der Name kommt vom italienischen trafficare, verwandt ist natürlicherweise das französische trafic und über dieses das englische Wort für Verkehr, traffic. Trafficare heißt handeln, und wir wollen es mal am Begriff "Hin und Her" festlöten. Das große Hin und Her auf der Suche nach Nikotin und Parkscheinen, Tageszeitungen und Lottotipps ist in Österreich staatlich monopolisiert, seit Joseph II. 1784 das kaiserliche Händchen auf den Handel mit Rauchwaren gelegt hat. Schon damals wurden Trafikantenstellen bevorzugt an Kriegsinvaliden vergeben. Mangels Nachschub einheimischer Versehrter aus Kriegsgebieten werden frei werdende Trafiken heute bevorzugt an Personen mit mindestens fünfzig Prozent Behinderung vergeben. Dass in florierenden Trafiken meist Unversehrte Heftln und Tschick verkaufen, steht auf einem anderen Tabakblatt. "Trafic" heißt zu bester Letzt einer der großartigen Filme des französischen Situationskomikers Jacques Tati.


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