Der vierte Mann

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 24/07 vom 13.06.2007

UNTERGRUND Mitten durch Wien verläuft ein Fluss. Früher lebten im unterirdischen Teil zwischen Pilgramgasse und Stadtpark Obdachlose, heute kommt hier nur noch ab und zu ein Mann im Jeep durch.

Die ersten 150 Meter fühlt man sich noch einigermaßen sicher. Dann kommt eine Kurve und das Licht, das gerade noch zum Portal im Stadtpark hereingeschienen hat, verschwindet aus dem Sichtfeld. Kleine Rinnsale aus Kanalwasser treten aus verrosteten Rohröffnungen und rinnen da und dort in den Fluss. Es herrscht Dunkelheit, der Strahl der Taschenlampe leuchtet das breite Betongewölbe kaum aus.

Bei der Pilgramgasse verschwindet der Wienfluss unter der Erde, im Stadtpark kommt er durch das Portal von Otto Wagner wieder an die Oberfläche. Dazwischen wälzt er sich mehr als zwei Kilometer lang durch einen Tunnel, der vor mehr als hundert Jahren erbaut und seither praktisch nicht verändert wurde. Der Hall in diesem Tunnel verstärkt jedes Geräusch ins x-Fache: Der Fluss rauscht, als stünde man neben


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