Kunst Kurz

13 Rollstühle westwärts

Kultur | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 24/07 vom 13.06.2007

China ist in Sachen Kunst derzeit international auf der Überholspur (siehe Falter 22/07). Dem Boom entsprechend hat das Kunsthaus Graz 22 Künstler aus China für die Ausstellung "China welcomes you" (bis 2.9.) nach Graz geholt. Nicht um damit ein Phänomen in seiner Breite vorzustellen (dafür könnte ein hochkarätig besetztes Symposium am 22. und 23.6. sorgen). Getroffen wurde vielmehr eine recht spezifische Selektion aus inzwischen etablierten Positionen. Dementsprechend wird die Malerei fast verschämt in Randbereichen abgehandelt, liegt der Schwerpunkt auf Videoarbeiten und Installationen. Die handeln von den Sehnsüchten einer Generation auf Identitätssuche, davon, wie sich das Erträumte an der sozialen und wirtschaftlichen Realität bricht, wie man zaghaft Umgangsformen mit der eigenen Vergangenheit erprobt. Und wieder frech sein darf. Das geriatrische Rollstuhlballett "Old People's Home" von Pen Yu und Sun Yuan führt das am spektakulärsten vor. Die Künstler waren zudem gebeten, Einflüsse und Vorbilder zu nennen. Diese Referenzen werden in Vitrinen zitiert. Das hilft auch nicht überall zur besseren Verortung und erinnert ein wenig an die Frage, was man einmal werden möchte, wenn man groß ist.

Das Künstlerduo G.R.A.M. war drei Monate lang in China unterwegs. Die dort gewonnenen Eindrücke haben Günther Holler-Schuster und Martin Behr auch fotografisch festgehalten. Das Künstlerhaus haben sie nun zum lichtbildmäßig gefluteten Heimatsaal gemacht und in einen Platz des himmlischen Unfriedens verwandelt. Alle 5000 mitgebrachten Fotos laufen dort (bis 15.7.) über 13 Projektoren, unterfüttert von einem ebenfalls aus China importierten und von Rainer Binder-Krieglstein amalgamierten Sound. "China entdecken" war selten hinterlistiger, stellt sich doch bei jedem Bild - Straßenszenen, Zeitungsclips, Inszenierungen - das Problem von Sein und Schein. Mit der Ausstellung beginnt eine von Werner Fenz verantwortete neue Programmlinie für das Haus. Ad multos annos!


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